Bild von Dr. Anselm Küsters

Dr. Anselm Küsters

Assoziierter Wissenschaftler

Forschungsinteressen

  • Die Geschichte der europäischen Integration, insbesondere die Geschichte des EU-Wettbewerbsrechts
  • Digital Humanities, insbesondere Methoden aus dem Natural Language Processing
  • Technologie- und Innovationsdiskurse aus historischer Perspektive

Die wirtschafts- und rechtsgeschichtliche Forschung von Anselm Küsters dreht sich um die Frage, inwieweit spezifische historische Lehren und Denktraditionen politische Entscheidungsträger und nationale Kulturen beeinflusst haben – und noch immer beeinflussen. Seine am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie durchgeführte und von der Goethe-Universität Frankfurt am Main angenommene Doktorarbeit hat in diesem Sinne den ordoliberalen Einfluss auf die europäische Wettbewerbspolitik durch Prüfung der wettbewerbsrechtlichen Entscheidungen und Urteile untersucht. Ausgehend von neuen quantitativen Textanalysemethoden aus dem Bereich der digitalen Geisteswissenschaften verlagert das mittlerweile abgeschlossene Projekt den Fokus von dem vorgeblichen Einfluss des Ordoliberalismus auf Genese des EU-Wettbewerbsrechts zu einer Betrachtung der tatsächlichen Relevanz und Verbreitung der ordoliberalen Konzepte in der EU-Wettbewerbspolitik. Das Projekt ist in der Monografie The Making and Unmaking of Ordoliberal Language (Klostermann, 2023) dokumentiert.

Bereits seine Masterarbeit untersuchte die Jahresberichte der fünf „Wirtschaftsweisen“ (1964-2017) mit Hilfe einer rechnergestützten Text-Mining-Technik und kam zu dem Ergebnis, dass ordoliberales Denken in der deutschen wirtschaftspolitischen Beratung zwar nicht dauerhaft präsent war, dass aber bestimmte ordoliberale Ideen in Zeiten von innenpolitischen Krisen reaktiviert wurden. Ein weiterer Artikel von Anselm testete Barry Eichengreens populäre Hypothese, wonach sich wirtschaftliche und politische Eliten während der Finanz- und anschließenden Eurozonenkrise von bestimmten Lehren aus der Vergangenheit in ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen ließen. Der Aufsatz untersucht quantitativ alle 1.009 Reden, die von EZB-Direktoriumsmitgliedern zwischen 2007 und 2015 gehalten wurden.

In seinem aktuellen Habilitationsprojekt, das in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Digital History an der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Torsten Hiltmann) durchgeführt wird, beschäftigt sich Anselm mit technologischem Wandel und Regulierungsdiskursen aus einer digitalhistorischen Perspektive. Seine jüngste Monografie Small is beautiful 2.0: Mit digitaler Dezentralisierung zu einer menschlicheren Wirtschaft (Herder, 2026) erweitert diese Arbeit um aktuelle Fragen der digitalen Dezentralisierung und einer menschenzentrierten digitalen Ökonomie. Weitere Informationen finden sich auf der Website der Humboldt-Universität.

Projekt

Abgeschlossenes Projekt

Vita

Anselm Küsters ist Wissenschaftlicher Direktor für die Nordischen Länder und Fachbereichsleiter Digitalisierung und KI am Centrum für Europäische Politik (cep). Als assoziierter Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in Frankfurt am Main und als Habilitand an der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitet er zudem im Bereich der Digital Humanities. Von April 2025 bis März 2026 hatte er eine Vertretungsprofessur für Digital Humanities an der Universität Stuttgart inne. Anselm hält einen Doktortitel von der Goethe-Universität Frankfurt am Main (Dr. Phil.) und studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Oxford (M.Phil., Distinction), Europäisches Recht an der Universität Würzburg (LL.M.) sowie Geschichte, Germanistik und Economics an der Universität Heidelberg (B.A. und B.Sc.).

Zur Redakteursansicht