Von einem einheitlichen Rechtssystem zu einer multipolaren internationalen Organisation

Forschungsprojekt

Die Rechtsgeschichte des Commonwealth in der Zeit zwischen den Weltkriegen

Der Zeitraum zwischen den Weltkriegen war für das Commonwealth of Nations epochenbestimmend. Es war eine Zeit außerordentlicher Spannungen, als die Herrschaftsgebiete mit neuem Selbstbewusstsein begannen, ihre Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich geltend zu machen. Es herrschte Uneinigkeit zwischen denjenigen Herrschaftsgebieten, die dem Vereinigten Königreich auf keinen Fall zu devot gegenübertreten wollten (Kanada, der Irische Freistaat und Südafrika) und solchen, die die rechtliche Integrität der Verbindung erhalten wollten (Vereinigtes Königreicht, Australien und Neuseeland). Diese Spannungen traten in unterschiedlichen rechtlichen wie politischen Kontexten auf, wobei jede juristische Kontroverse unterschiedlich interpretiert werden konnte. So wurde z.B. die Abdankung König Edwards VIII. in Pretoria anders bewertet als in London.

Ziel des Forschungsprojekts ist es herauszuarbeiten, wie die jeweiligen Herrschaftsgebiete ihre Beziehungen zum Commonwealth of Nations in den 30er Jahren bewerteten. Grundlage hierfür bietet die Auswertung umfangreichen Materials aus den Archiven der verschiedenen konstituierenden Mitglieder des Commonwealth.  Untersucht wird die rechtsgeschichtliche Entwicklung des Commonwealth zwischen den Weltkriegen mit Blick auf die wiederkehrenden Konflikte um die Auslegung zentraler Rechtsdoktrinen, die der Verbindung zu Grunde lagen: Gab es einen rechtlich gesicherten Anspruch, sich vom Commonwealth loszusagen (vgl hierzu den bereits veröffentlichten Artikel im Journal of Legal History 2018). Was war der Status der Herrschaftsgebiete (dominions) Was war das verbindende Element zwischen Nationalität und dem common status?

Die Zwischenkriegszeit stellt eine besonders interessante Phase in der Rechtsgeschichte des Commonwealth dar, die vieles vorwegnahm, was sich in der besser erforschten Nachkriegszeit ereignete, als das Britische Weltreich endgültig auseinanderbrach. Die Rechtsgrundsätze, die das Britische Weltreich 1918 noch zusammenhielten, waren durch die Entwicklungen im Recht des Commonwealth in den 20er und 30er Jahren unwiederbringlich geschwächt worden.

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