Historisches normatives Wissen und Rechtsgestaltung

Querschnittsthema

Für die Rechtshistoriker*innen, vielleicht noch mehr als für Historiker*innen, ist die Frage nach historischem Wandel von zentraler Bedeutung. Der Wandel des Wissens über Normativität ist, wie die Prozesse der Selektion und Transformation von Wissen, seit langem Gegenstand rechtshistorischer Forschungen. Ein wiederkehrender und (zumindest für Rechtshistoriker mit einem Gespür für Historiographie) bedeutsamer Aspekt dieses Transformationsprozesses betrifft die Art und Weise, in der historisches normatives Wissen wahrgenommen, konstruiert und genutzt wurde. Ein Aspekt allerdings, der von der rechtsgeschichtlichen Forschung bisher selten ausdrücklich adressiert wurde.

Das Querschnittsthema „Historisches Normatives Wissen und Rechtsgestaltung“ fragt danach, wie sich das jeweilige Verständnis und die Nutzung von Wissen aus der Vergangenheit auf die Reproduktion und den Wandel von Recht, Normen und juridischen Praktiken auswirkten. Es richtet den Blick auf historische Normativitätsregime und legt einen engeren Fokus auf historisches Wissen über Normativität als eine bedeutende Ressource für deren Formierung. Besonderes Interesse gilt der Frage, ob sich aus dem Umgang der Juristen mit diesen Ressourcen und den damit verbundenen Veränderungen der Rechtspraktiken eine historische Epistemologie der Normativität ableiten lässt.

Ausgehend von der gemeinsamen Lektüre von Texten zur Wissensproduktion erarbeiten die Mitglieder der Arbeitsgruppe einige working paper zu Fragen des Verhältnisses von historischem normativen Wissen, den Praktiken der Nutzung von Geschichte und der Produktion von Recht.

Das Querschnittsthema steht in enger Verbindung zu den Überlegungen zu Traditionsregimen im Rahmen des GloNo Projekts.

Mitglieder der Arbeitsgruppe sind überdies beteiligt an der Ausrichtung der Summer Academy 2021.


Teaser-Bild: "Spiral" by greenzowie

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