RAUMNORM – Rechtsräume und Normativität zwischen Spätantike und Mittelalter

Forschungsprojekt

Das von Beginn an interdisziplinäre Projekt RAUMNORM hat zwei Schwerpunkte, einen praktischen und einen theoretischen. Der praktische hat zum Ziel, unter Einschluss möglichst vieler Quellen beider Gattungen (Traditionen und Überreste im Sinne von Bernheim 1908) die Genese der Kulturlandschaften vom Rhein-Main-Gebiet nach Nordosten hin zur Elbe von der Vorgeschichte bis in das hohe Mittelalter zu betrachten. Was lässt sich über kulturelle Zusammenhänge, ethnische Migrationen, Kulturtransfer oder Normenbildung über eine longue durée wissenschaftlich fundiert aussagen? Wie ergänzen oder widersprechen sich die von den einzelnen Fachrichtungen gewonnenen Hypothesen?

Der theoretische Schwerpunkt betrifft die Methode: An die Hermeneutik des Projektes sind von Beginn an Ausgangsfragen an die Arbeit mit großen und diversen Datenbanken zu stellen:

  • Kann man zeitliche Dynamiken erfassen und kann man diese ausdifferenzieren?
  • Kann man den Einfluss naturräumlicher Bedingungen erfassen?
  • Kann man ‚politische‘ Rahmenbedingungen der Epochen im Sinne des Ermöglichens/Verbauens von Chancen erfassen?
  • Kann man die Nutzung der Chancen erfassen?
  • Kann man die jeweilige Beteiligung von Frauen und Männern, von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, von religiösen Lebensformen und anderen sozialen Individuen erfassen?
  • Kann man Kausalitäten und Koinzidenzen im Sinne einer modalen Logik anhand der Datenbank erfassen/erkennen?

Ziel des Projektes RAUMNORM wird es in den kommenden Jahren mithin sein, eine belastbare Hermeneutik zu entwickeln und in der Praxis mit Hilfe der gewonnenen Daten anzuwenden. Um dies zu erreichen, werden »in the field« gemeinsame Forschungen abgestimmt und durchgeführt. Dies wird auf vier verschiedenen Ebenen geschehen, punktuelle zeitnahe Zusammenarbeit an lokalen Ausgrabungen und an relevanten Schriftquellen (Mikroebene), auf einzelne Räume bezogene Analysen und Workshops (Mesoebene) sowie vergleichende Analysen zum Großraum des Projektes (Makroebene). Diese werfen ihrerseits einen vergleichenden Blick auf andere Regionen der Welt zum Zwecke der interkulturellen Einordnung (globale Ebene). Zu den daraus resultierenden Problemen der Periodisierung siehe jüngst Beecroft 2025.

Publikationen

Publikationen, auf denen das Forschungsprojekt aufbaut:

Ehlers, C.: Rechtsräume. Ordnungsmuster im Europa des frühen Mittelalters. De Gruyter Oldenbourg, Berlin, Boston (2016), X, 180 S.
Ehlers, C.: Straßensysteme der Vorgeschichte und des früheren Mittelalters. Zeitschrift für Weltgeschichte 18.2017, S. 27 - 41 (2018)
Ehlers, C.: Forschungsbibliographie „Rechtsräume“ = Research Bibliography 'Legal Spaces'. (2019), 149 S.
Ehlers, C.: Verwaltete Räume. Über eine transdisziplinäre diachrone Methode. In: Der geschichtliche Ort der historischen Forschung. Das 20. Jahrhundert, das Lehnswesen und der Feudalismus, S. 31 - 52 (Hg. Groth, S.). Campus Verlag, Frankfurt am Main (2020)
Ehlers, C.; Martine, T.; Nowak, J.; Schneider, J.: Aspekte der Konstituierung von Rechtsräumen. In: Espaces ecclésiastiques et seigneuries laïque. Définitions, modèles et conflits en zone d’interface (IXe-XIIIe siécle) = Kirchliche Räume und weltliche Herrschaften. Definitionen, Modelle und Konflikte in Kontaktzonen (9.-13. Jahrhundert), S. 43 - 51 (Hg. Martine, T.; Nowak, J.; Schneider, J.). Éditions de la Sorbonne, Paris (2021)
Ehlers, C.: „Sacrum Palatium“. Eine in der Gegenwart missbrauchte Konstruktion des 9. Jahrhunderts. Max Planck Institute for Legal History and Legal Theory Research Paper Series 2021-06 (2021), 17 S.
Ehlers, C.: Herrschaft und Raum im fränkischen und deutschen Reich. Überlegungen zum Capitulare de Villis und dem Tafelgüterverzeichnis. In: Burg und Expansion Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung B/18. Edition, S. 21 - 30 (Hg. Zeune, J.; Krauskopf, C.). Deutsche Burgenvereinigung, Braubach (2021)
Ehlers, C.: Möglichkeiten und Perspektiven der rechtshistorischen Erforschung von Räumen - Das Beispiel Sachsens zwischen Karl dem Großen und Friedrich Barbarossa. In: Endpunkte. Und Neuanfänge. Geisteswissenschaftliche Annäherungen an die Dynamik von Zeitläuften, S. 39 - 50 (Hg. Jerše, S.; Lahl, K.). Böhlau, Köln (2022)
Ehlers, C.: Bardo und Boso. Der Adel im sächsischen Herzogtum des 9. bis frühen 11. Jahrhunderts und die Gründung Liesborns. In: Die Welt des Evangeliars. Liesborn und das Damenstift (9.-12. Jahrhundert), S. 9 - 37 (Hg. Dithfurh, J. v.; Steinbach, S.). Münster (2024)
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