Von Kant zu Kantorowicz
Bd. 2 der Studien zur Rechtstheorie erschienen
Hermann Kantorowicz war ein herausragender Rechtswissenschaftler in den turbulenten ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und ein führender Vertreter der „Renaissance“ der Rechtsphilosophie in Deutschland. Er erlangte internationalen Ruhm als Rechtshistoriker und Rechtstheoretiker (und nicht zuletzt auch Bekanntheit für seine konträren, kämpferischen Ansichten). Er formulierte erstmals eine Theorie des „freien Rechts“ in „Kampf um die Rechtswissenschaft“ (1906), seinem kühnen Angriff auf die orthodoxe Rechtswissenschaft.
Die im Laufe der Zeit erheblich modifizierte Theorie versuchte zu erklären und zu rechtfertigen, wann und wie Richter Ermessensspielraum nutzen, um Lücken im Gesetz durch einen Prozess der Rechtsfindung zu schließen. Dieses Buch untersucht die Entwicklung von Kantorowicz’ freirechtlicher Theorie – von der contra legem-Entscheidung bis zur Wissenschaft des methodischen Trialismus; ihre philosophischen, soziologischen und historischen Grundlagen; und warum sie für die moderne Rechtsmethodik nach wie vor relevant ist.