Der Mythos der Magna Carta als verfassungsrechtlicher Vorläufer in Indien

Forschungsprojekt

Die Bedeutung und der Zweck von Englands berühmtestem Rechtsdokument, der Magna Carta, haben die Lebenszeit ihrer ursprünglichen Verfasser und Unterzeichner längst überdauert. Ihre anhaltende Symbolkraft reicht weit über das ursprüngliche Pergament hinaus, auf dem sie vor über 800 Jahren verfasst wurde. Zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten im ehemaligen Britischen Empire und darüber hinaus hat sie sich zum ultimativen Symbol grundlegender Verfassungsprinzipien entwickelt. In seiner Arbeit über den rechtlichen, politischen und administrativen Hintergrund der Magna Carta argumentiert J.C. Holt, dass die Geschichte der Magna Carta in zwei Teile gegliedert werden kann. Es ist die Geschichte des Dokuments und seiner wiederholten Neuinterpretation, aber auch die Geschichte einer politischen Auseinandersetzung über die Rechte eines Rechtssubjekts gegenüber der souveränen Autorität.

Dieses Projekt untersucht, wie der „Mythos der Magna Carta“ nach Indien gelangte und vom indischen Volk in seinem Kampf gegen Großbritannien als Kolonialmacht neu interpretiert wurde. Insbesondere untersucht das Projekt die Proklamation von Königin Victoria aus dem Jahr 1858 an die „Prinzen, Häuptlinge und das Volk von Indien“. Diese wurde von Zeitgenossen damals als „Indiens Magna Carta“ angesehen und wurde in jüngerer Zeit als „verfassungsrechtlicher Vorläufer“ der modernen Verfassungsgeschichte Indiens untersucht. Mithilfe von Rechtsprechungsanalysen, der Geschichte des rechtlichen und politischen Denkens sowie der Mediengeschichte versucht dieses Projekt aufzuzeigen und zu verstehen, wie das indische Volk die Bedeutung der Magna Carta für sich selbst verstand und neu interpretierte, um für Grundrechte wie Habeas Corpus und die nicht eingehaltenen Versprechen der Gleichberechtigung zu kämpfen.

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