Translating Weimar
The Cultural Translation of the Weimar Constitution in China (1919-1949)
Fupeng Li
Global Perspectives on Legal History 28
Frankfurt am Main: Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie 2025. XIV, 192 S.
Online-Ausgabe: Open Access (PDF-Download, Lizenz: Creative Commons CC BY 4.0 International)
Druckausgabe: 17,33 € (Print on Demand bei ePubli)
ISSN 2196-9752
ISBN 978-3-944773-54-4
eISBN 978-3-944773-55-2
Zitatlink für die Online-Ausgabe: http://dx.doi.org/10.12946/gplh28
Wie kann eine Verfassung sich eine soziale Revolution vorstellen? Das Buch beantwortet diese Frage, indem es am Beispiel der sozialen Rechte die lange Reise der Weimarer Verfassung nach China verfolgt. Diese globale Rechtsgeschichte erzählt, wie Juristen und Gesetzgeber die Sprache der Verfassung nutzten, um Projekte sozialen Wandels im 20. Jahrhundert zu konzipieren.
Das Buch, das sich zwischen Deutschland und China bewegt, untersucht, wie die Weimarer Reichsverfassung von chinesischen Akteuren gelesen, übersetzt und umgeschrieben wurde. Anstatt den Einfluss der Weimarer Verfassung als einfache „Rezeption“ ausländischer Ideen zu behandeln, rekonstruiert es, wie chinesische Juristen Debatten über Arbeit, Sozialwesen und Wirtschaftsordnung nutzten, um zu überdenken, was eine soziale Verfassung sein könnte – und welche Art von sozialer Revolution sie legitimerweise leiten könnte.
Im Zentrum der Analyse steht ein struktureller Wandel: vom rechtebasierten Modell der sozialen Ordnung der Weimarer Verfassung hin zum politikorientierten Konstitutionalismus, der das moderne China prägen sollte. Unter Rückgriff auf mehrsprachige Archivquellen und Verfassungsentwürfe zeichnet die Studie nach, wie der Katalog der sozialen Grundrechte der Weimarer Verfassung schrittweise in „Grundlegende nationale politische Leitlinien“ umformuliert wurde, wodurch soziale Rechte in staatliche Programme, Planungsziele und ideologische Verpflichtungen umgewandelt wurden.
Ausgehend von der Trias aus Raum, Zeit und Tradition zeichnet das Buch die Wege nach, auf denen die deutsche Staatsrechtslehre und das Konzept der sozialen Rechte aus der Weimarer Verfassung in chinesischen Debatten aufgenommen wurden. Es zeigt auf, wie sie sich in wechselnden Narrativen von Krise und Revolution verorteten, und untersucht, wie sie im Zusammentreffen mit konfuzianischer Staatskunst, revolutionärem Nationalismus und sozialistischer Planwirtschaft verhandelt wurden. Damit bietet das Werk einen neuen Erklärungsansatz für die Frage, wie Verfassungen soziale Revolutionen durch die kulturelle Übersetzung von Rechten in Politik vermitteln.
Das Buch richtet sich an Wissenschaftler*innen und Studierende des Verfassungsrechts, der globalen Rechtsgeschichte und der modernen chinesischen Geschichte, die verstehen wollen, wie soziale Rechte Grenzen überschritten – und wie sie dabei im 20. Jahrhundert still und leise die Bedeutung sowohl von „Verfassung“ als auch von „Revolution“ neu prägten.
Inhalt
XI Preface
1 Introduction: Perspectives, Questions, and Structure
7 Chapter 1: Reclassifying Legal Knowledge: German Staatsrechtslehre as Intellectual Prelude to the
Chinese Translation of the WRV
39 Chapter 2: Mapping Each Other: The Embedded Worlds in Compilations of World Constitutions
69 Chapter 3: The Rights-based Model of Weimar
91 Chapter 4: From Translators to Legislators
115 Chapter 5: The Policy-Oriented Model of China: Two Translation Frameworks
153 Conclusion: Translating Weimar through Space, Time, and Tradition
157 Bibliography
171 About the Author