Förderpreis Europäische Verwaltungsgeschichte 2025
Der von Prof. em. Erk Volkmar Heyen (Universität Greifswald) gestiftete „Förderpreis Europäische Verwaltungsgeschichte“ würdigt herausragende Forschungsleistungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern und verbindet die Anerkennung abgeschlossener Arbeiten mit der Förderung eines innovativen neuen Forschungsvorhabens. Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury unter dem Vorsitz von Peter Collin (mpilhlt).
Preisträgerin des Jahres 2025/26 ist Dr. Cosima Götz. Ausgezeichnet wird sie für ihre im Wallstein Verlag erschienene Dissertation „Metropolen im Wettbewerb. Stadtplanung und Stadtgesellschaften 1890–1940“. Ausgangspunkt der Studie ist die um 1900 weit verbreitete Überzeugung, dass gesellschaftliche Zukunft im und über den städtischen Raum zu gestalten sei. Als wichtiges Instrument etablierte sich dabei der internationale städtebauliche Wettbewerb. Das von Stadt- wie Staatsverwaltungen genutzte Verfahren erlebte zwischen den 1890er und den 1930er Jahren eine beispiellose Hochphase. Es versprach nichts Geringeres als einen „Generalplan“ – für die Anlage von Verkehrswegen sowie von Bau- und Freiflächen, vor allem aber für die gesellschaftliche Neuorganisation unter den Bedingungen einer als „modern“ verstandenen Zeit. In „Metropolen im Wettbewerb“ erzählt Cosima Götz die Geschichte der Wettbewerbe für Berlin (1908–1910), Canberra (1911/12), Paris (1919/20) und Ankara (1927–1929) als lebendige transnationale Gesellschafts- und Ideengeschichte fünf prägender Jahrzehnte. Anhand von vielfältigem Material, darunter zahlreichen bildlichen Quellen, zeigt sie, wie der Stadtraum durch Wettbewerbe zum umkämpften Raum wurde und wie der Versuch, die Konflikte zu beenden, folgenschwere Ideen und Instrumente hervorbrachte.
Auch das mit dem Preis geförderte Forschungsprojekt „Die Zukunft der Vergangenheit. Großmaßstäblicher Siedlungsbau der 1960er und 1970er Jahre in Augsburg und Bourges“ widmet sich einem grenzüberschreitenden Phänomen, das über die Umgestaltung des städtischen Raums eine verheißungsvolle Zukunft versprach. Großsiedlungen gaben europäischen Metropolen in den 1960er und 1970er Jahren ein völlig neues Gesicht. Am Beispiel des Herrenbachviertels in Augsburg und der Quartiere Chancellerie und Gibjoncs in der zentralfranzösischen Stadt Bourges, Augsburgs Partnerstadt, untersucht das Projekt die Geschichte (west-)europäischer Großsiedlungen mit Blick auf Stadtverwaltungen und ihr Handeln in zeitgenössischen Akteursfeldern. Ziel ist es, den gebauten Raum als Produkt gesellschaftlicher Aushandlungs- und Verständigungsprozesse lesbar zu machen. Der Projekttitel „Die Zukunft der Vergangenheit“ ist dabei bewusst doppeldeutig gewählt: Großsiedlungen galten in den 1960er und 1970er Jahren als Boten der Zukunft; sie verkörpern eine „vergangene Zukunft“. Zugleich stehen Stadtverwaltungen heute vor der Herausforderung, langfristige Strategien für den Umgang mit dem baulichen, infrastrukturellen und soziokulturellen Erbe dieser Siedlungen zu finden – und deren problematische Aspekte als „zukünftige Vergangenheit“ hinter sich zu lassen.